Newsletter November 2015


English Version

Pokhara

Die Themen:

Newsletterredaktion
Schüleraustausch Kathmandu - Berlin
The Little Nepal in My Mind
Theater: Nepal – Ein semidokumentarisches Roaddrama
Wissenschaft: Luftverschmutzung in Kathmandu
Literatur aus Nepal – und über Nepal
Aktivitäten unserer Mitglieder

Newsletterredaktion

Liebe Leser,
mittlerweile sind sechs Monate seit den großen Erdbeben in Nepal vergangen. Wie erwartet, ist Nepal aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Folgen des Erdbebens sind aber nur durch langfristige Hilfe zu beseitigen. Wir berichten daher nach wie vor über Hilfsaktionen in Nepal und Deutschland. Doch auch Literatur und Theater aus und über Nepal wird uns weiterhin interessieren.
Als wenn das Erdbeben nicht schon genug für die Bewohner des Landes gewesen wäre, blockiert nun Indien die Grenzen, sodass seit Wochen nur noch eingeschränkt Güter nach Nepal eingeführt werden können. Vor allem fehlt es an Gas und Treibstoff, aber auch an Medizin, weshalb viele Operationen verschoben werden müssen. Für viele Menschen kommen dadurch weitere schwere Hindernisse hinzu, die für den Aufbau des Landes einen großen Rückschritt bedeuten.
Andererseits konnte gefeiert werden, dass nach vielen Jahren der Verzögerung endlich die neue Verfassung von Nepal verabschiedet wurde. Leider hat dies in den Terai-Gebieten bei den Bewohnern, die in der Mehrheit aus Indien eingewandert sind, zu Unruhen geführt, die in den Grenzblockaden zu Indien eskalierten.
Wer als Besucher heute durch Kathmandu fährt und einen Bogen um die historischen Plätze macht, wird erstaunt sein, wie wenig von den Folgen des Erdbebens sichtbar ist. Die meisten Häuser haben keine sichtbaren Schäden oder diese sind bereits repariert. Die Trümmer wurden beseitigt und die Infrastruktur wirkt weitgehend funktionsfähig. Die Trekkinggebiete sind bis auf den Langtang und die Tour um den Manaslu alle begehbar. Trotzdem waren in den ersten Wochen im Oktober die bekannten Touristenorte in Pokhara and Kathmandu erstaunlich leer für die Jahreszeit. Viele der Ladenbesitzer schauen mit besorgter Miene. Der Tourismus steckt weiterhin in der Krise.
Wir hoffen, dass die Situation in Nepal sich schnell verbessert.

Wie immer wünschen wir viel Freude beim Lesen!
Das Newsletter-Team

Veranstaltungs- und andere Hinweise:



MHA PUJA 2015
Nedeg feiert am 15.11. das MHA PUJA/NEWARI NEUES JAHR FEST 1136 im Panda Theater in der Kulturbrauerei, Eingang Knaackstraße 97, 10435 Berlin-Prenzlauerberg.
Wer Lust hat mitzufeiern kann sich hier anmelden. Unkostenbeitrag 10 Euro.

BLOG AUS NEPAL
Erfahrungen als freiwilliger Helfer kurz nach dem Erbeben haben unseren zweiten Vorsitzenden von Nedeg, Birat Niraula, darin bestärkt, nach seinem Medizinstudium in Deutschland und einigen Jahren als Assistenzarzt in Tübingen in sein Heimatland zurückzukehren und weiter Hilfe zu leisten. In seinem Blog schreibt er regelmäßig über seine Beobachtungen und Erlebnisse.

STUDENTISCHES BENEFIZKONZERT
Um den Menschen nach dem Erdbeben im April und Mai 2015 beim Wiederaufbau zu helfen, veranstaltete die studentische Vereinigung der TU Berlin "Die Trompeten der Mutter", ein Benefizkonzert. Nedeg war mit einem Informationsstand dabei. Nedeg-Mitglied Lipsa Sthapit bedankte sich auf der Bühne bei den Veranstaltern und Musikern.
Die Einnahmen und Spenden kommen durch das DRK den Erdbebenopfern in Nepal zugute.



NEDEG SOMMERAUSFLUG
Der diesjährige Sommerausflug führte uns erneut in den Spreewald. Mit der Regionalbahn ging es vom Berliner Hauptbahnhof nach Lübbenau. Dort erwartete uns Dorit Robarick in ihrer "Galerie RO". Nach kurzem Aufenthalt auf ihrem wundervollen Hof brachen wir zu einer langen Kajaktour durch die kleinen Kanäle auf. Das ausführliche Picknick auf sommerlicher Wiese und der unfreiwillige Fall ins Wasser des einen oder anderen werden in Erinnerung bleiben.
Einen herzlichen Dank an Dorit Robarick für die Organisation!



BENEFIZKONZERT IM BERLINER "LIDO"
Am 20. September 2015 veranstaltete der Berliner Aktionskreis von Govinda e.V. ein Benefizkonzert im "Lido". Berliner Clubgrößen, internationale Künstler sowie der bekannte Musiker Mukti Shakya aus Nepal machten diesen Abend nicht nur sinnvoll, sondern auch zu einen großartigen Erlebnis.

Der Nedeg-Newsletter berichtet regelmäßig über kulturelle Themen und über unsere Projektpartner in Nepal und weist auf Termine hin.
Wer den Newsletter noch nicht direkt zugesendet bekommt, kann sich hier anmelden.
Wichtige Hinweise auf Termine, Veranstaltungen oder neue Publikationen senden Sie bitte an nedeg_redaktion@yahoo.com.

Newsletter-Redaktion: Torsten Frank, Andrea-Regina Lang


Schüleraustausch Kathmandu - Berlin

...nun sind sie wieder weg!
Drei Wochen haben sie uns besucht, neun Schüler – Puja, Samjhana, Alina, Usha, Jwala, Manish, Shishir, Utpal und Raju – sowie der Schulleiter und die Managerin der Mandala International School aus Kathmandu. Viel haben sie hier erlebt, aber mit ihnen auch ihre deutschen Partnerschüler der Schule am Zwickauerdamm in Berlin-Rudow.
Natürlich gab es Ausflüge: die Fahrt mit dem 100er BVG-Bus mit Stopps an den wichtigen Berliner Sehenswürdigkeiten, den Besuch des Fussballspiels Hertha BSC gegen den Hamburger SV im Olympiastadium, Zugucken beim Berlin-Marathon und einen Besuch im Berliner Zoo.
Doch genauso wichtig waren die Erfahrungen mit dem Leben in den Gastfamilien: "Wann ist Powercut?", "Wie lautet das WLAN-Passwort?" und "Wo ist der Besen zum täglichen Zimmerkehren?" Das waren die ersten Fragen, und nach drei Tagen war der deutsche Alltag schon selbstverständlich.



Und natürlich die deutsche Schule: Obwohl abends spät in Berlin angekommen, standen die Nepalesen am ersten Tag bereits um sechs Uhr morgens fertig vor der Tür und fragten: "Wann fahren wir zur Schule?" Vieles hat sie dort begeistert, vor allem die familiäre Atmosphäre, das enge und demokratische Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. Die Schule am Zwickauerdamm ist eine Förderschule, ihr Konzept lautet: Schule als Lebensraum. Ihren Schülern wird ein Gefühl von Familie vermittelt, was sie zu Hause oft nicht vorfinden. Neu und spannend waren für die Nepalesen die praxisorientierten Unterrichtsmethoden, über gemeinsames Kochen und Tanzen konnten schnell Kontakte aufgebaut und Freundschaften geschlossen werden. Und völlig ungewohnt, aber wunderbar fanden sie, dass deutsche Mädchen und Jungen sich verlieben und dies auch zeigen dürfen.
Der Höhepunkt an der Schule war ein gemeinsamer Nepalabend. Vor Schülern, Lehrern und Besuchern haben die Nepalesen ein Theaterstück aufgeführt, das eindrucksvoll die unterschiedlichen Rollen von Mädchen und Jungen in der nepalesischen Gesellschaft gezeigt hat. Anschließend gab es nepalesische Tänze, und danach ging der Abend in eine Schülerparty über. Mit Lehrern und Besuchern wurde abwechselnd nach deutschen und nepalesischen Lieblingsliedern der Schüler getanzt.



Der Schüleraustausch fand – wie bereits berichtet – im Rahmen des ENSA-Programms des BMZ statt und wurde daher pädagogisch begleitet. Mit zwei Seminarleitern haben wir ein dreitägiges Seminar in Falkensee und ein zweitägiges Seminar in Warnemünde durchgeführt. Der Umgang mit den Sprachbarrieren, die Stärkung der Partnerschaft und die inhaltlichen Wünsche an den geplanten Gegenbesuch im nächsten Jahr in Kathmandu standen dabei im Vordergrund. Und aufregend waren natürlich Ostsee und Strand: die nepalesischen Mädchen haben sich sofort Schuhe und Strümpfe ausgezogen, sind trotz Kälte mit den Füßen ins Wasser gegangen und mussten sich danach erst mal trockene Hosen anziehen.
Am letzten Tag haben wir uns alle noch einmal im Restaurant "Om" getroffen. Es gab natürlich Dhal Bhat, für die Nepalesen schon ein bisschen Heimatgefühl, für die Deutschen Vorfreude auf das Essen und das Wiedersehen im nächsten Jahr in Nepal.



Obwohl dieser Schüleraustausch vom BMZ gefördert wurde – 70 Prozent der Flugkosten und ein Zuschuss zu Unterbringung, Verpflegung und Aktivitäten – waren wir auf Spenden angewiesen und möchten uns hier ganz herzlich bei allen Spendern bedanken: Ohne euch hätte der Austausch nicht stattfinden können!
Ganz besonders erwähnen möchten wir Qatar Airways, die uns zwei Freitickets für die Betreuer und einen reduzierten Flugpreis für die Schüler gespendet haben, Danke, Danke! Und da dies im zehnjährigen Jubiläumsjahr von Qatar Airways zu der Verbindung Berlin–Doha stattfand, möchten wir kurz auf dieses Ereignis eingehen:
Mit Qatar Airways nach Nepal
Möglich wurde diese Reiseroute mit der Anbindung von Berlin an Doha: Am 15. Dezember 2005 führte die Fünf-Sterne-Airline ihre Direktverbindung von Berlin nach Doha mit einem Airbus A319LR ein, der 110 Passagiere fasste. Dies bedeutete einen Meilenstein für den Ausbau des Langstreckennetzes für Flüge aus der Hauptstadt. Damals wurde die Strecke viermal wöchentlich bedient. Schon bald kam ein Airbus A320 zum Einsatz. Dieser flog Berlin ab 2008 täglich an. Im Dezember 2013 wurde der Airbus A320 schließlich aufgrund des weiterhin stetig wachsenden Passagierbedarfs von einem A330 abgelöst.
Viele Nepalfreunde und ganz besonders NEDEG-Mitglieder nutzen gern diese Reisemöglichkeit und sind glücklich über die guten Verbindungen und den ausgezeichneten Service.

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The Little Nepal in My Mind

Manjushree Thapa wuchs in Kathmandu, Kanada und den Vereinigten Staaten auf. Ihr bekanntestes Buch ist "Forget Kathmandu", das nur wenige Wochen vor dem Königsputsch am 1. Februar 2005 veröffentlicht wurde. Anschließend verließ Thapa das Land und lebt seitdem in Kanada. Im Newsletter Februar 2013 haben wir die deutsche Ausgabe ausführlich besprochen. Der Artikel "The Little Nepal in My Mind" erschien im kanadischen "Hazlitt Magazine" im August 2015.
Vieles, was Thapa für die nepalesische Gemeinschaft in Kanada beschreibt, erinnert an die Situation in Berlin. Die Gemeinschaft rückte zusammen und gewann auf einmal an Bedeutung: Nepalesen, Deutsch-Nepalesen und aktive Deutsche fanden sich plötzlich wieder beim Spendensammeln, auf Benefizkonzerten und im intensiven Informationsaustausch.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlichen wir den Artikel.

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Theater: Nepal – Ein semidokumentarisches Roaddrama

Sebastian Krähenbühl ist ein Schweizer Schauspieler und Regisseur. Seine Kindheit erlebte er in Nepal, wo er mit seinen Eltern lebte. Sein Vater war Leiter des von der Schweizer Helvetas finanzierten "Suspension Bridge Project". NEDEG organisierte 2003 eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der TU Berlin über dieses Projekt.
Als die Einladung zu dem Theaterstück "Nepal" in unserem NEDEG-Briefkasten landete, waren wir sofort begeistert: Ein Stück über eine Kindheit in Nepal und über das Hängebrückenprojekt, das wir seit vielen Jahren verfolgen. Wie soll daraus ein spannendes Theaterstück entstehen? Sebastian Krähenbühl schafft das: Aus Bildern, Tönen und Texten baut er eine Theatermaschine, die Traumbilder, Erinnerungen und Musik produziert. Präzise wie ein Schweizer Uhrenwerk läuft das ab. Alleine auf der Bühne steht Sebastian Krähenbühl und spricht, redet und kämpft.



Hundegebell hallt zu Beginn durch den noch dunklen Theaterraum. Wer Kathmandu von früher kennt, wird sich an dieses endlose Hundegebell erinnern. Das war der Sound von Kathmandu in der Nacht bis zum Morgen. Ein Ladengitter wird aufgezogen. Das Geräusch des Morgens, wenn die Ladenbesitzer, einer nach dem anderen, ratternd ihre Rollläden nach oben ziehen.



Auf Projektionswänden erscheinen die Eltern des Autors. Er spricht mit ihnen, fragt sie zu ihren Motivationen, nach Nepal zu gehen. Seine Mutter berichtet über ihre Schwangerschaft mit ihm, als die Eltern sich entschieden, Mitte der siebziger Jahre in Nepal zu leben.



Seine Kindheit in Patan, Wohnort der Familie und Sitz der Helvetas, ruft er in Erinnerung. Er sucht die Plätze seiner Kindheit auf, und die Zuschauer können dies auf der Leinwand verfolgen. Er spricht und telefoniert mit seiner Projektion, die durch Kathmandu irrt. Er sucht das Haus von Bahadur, der ihn immer mit dem Fahrrad zur internationalen Lincoln-Schule brachte. In seinen Erzählungen über die Kindheit in Nepal tauchen die Elefanten aus dem Zoologischen Garten auf, die früher oft durch Patan beladen mit Grünfutter liefen. Die Arbeit des Vaters, die technischen Handbücher zum Bau von Hängebrücken, werden vergrößert auf die Leinwand projiziert und so ein Teil der Inszenierung.



Zum Schluss verwandelt sich die Bühne in einem Tempel, der wie eine Kopie des Ganesh-Tempels in Sanepa aussieht. Die typischen Tempelgeräusche sind zu hören: Der Klang der verschiedenen Glocken und Schellen. Nepalesen und nepalerfahrene Zuschauer werden spätestens jetzt mit den eigenen Erinnerungen an ihre Kindheit oder einer als schön erlebten Zeit konfrontiert. Auch für Sebastian Krähenbühl ist das Theaterstück "eine subjektive Suche nach einer verlorenen Kindheit in einem fernen Land."

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Luftverschmutzung in Kathmandu

Wissenschaft: Luftverschmutzung in Kathmandu

Unter dem Titel "Characteristics and Sources of Polycyclic Aromatic Hydrocarbons in Atmospheric Aerosols in the Kathmandu Valley" ist jetzt die Auswertung der Messungen der Luft in Kathmandu publiziert worden. Im Newsletter vom Februar 2014 hatten wir mit dem nepalesischen Klimaforscher Dr. Maheswar Rupakheti vom Potsdamer "Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS)" über dieses Vorhaben gesprochen.
Wenig überraschend ist das Ergebnis: Die Luft in Kathmandu weist eine sehr hohe Konzentration von Schadstoffen auf. Die Werte liegen auf einem Niveau von Dehli und Beijing. Während der Monsunzeit sinken diese Werte. Auch gibt es deutliche Unterschiede während des Tages. In den Morgenstunden ist die Konzentration der Schadstoffe am höchsten. Aufgrund der festgestellten Schadstoffe kann das Verbrennen von Diesel und von Biomasse (Holz) als eine der Hauptursachen für die Verschmutzung festgestellt werden.
Die empfohlenen Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation werden um ein Vielfaches überschritten.
Die Studie wurde in "Science of the Total Environment" publiziert.

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Kathmandu

Literatur aus Nepal – und über Nepal

Kathmandu von Thomas Bell
In allen Buchhandlungen war es groß präsent, als ich im Dezember vergangenen Jahres in Kathmandu war und von allen Seiten kam mir entgegen: "Muss man unbedingt gelesen haben!": "Kathmandu", geschrieben von Thomas Bell, bekannt als investigativer Journalist für den "Daily Telegraph" und den "Economist".
Gleich auf der ersten Umschlagseite, noch wenn man ganz gefangen ist von Henry Oldfields wunderbarer Zeichnung des einfachen und übersichtlich geordneten Kathmandutales von 1850, wird einem schon gesagt, welches Bild der Autor vom heutigen Kathmandu hat:

             ... a carnival of sexual licence and hypocrisy,
             a jewel of world art,
             a hotbed of communist revolution,
             a paradigm of failed democracy,
             a case study in bungled Western intervention,
            and an environmental catastrophe.

Zehn Jahre lang hat sich Thomas Bell darauf eingelassen und eingelesen, hat recherchiert, hat die Stadt, in die er im Mai 2002 eigentlich eher zufällig nach dem Studium auf der Suche nach einem Einsatzort als Reporter ("What about Nepal?") gekommen ist, erlebt und in ihr gelebt, hat in vielen Gesprächen versucht, dieses – sein – Bild von Kathmandu zusammenzusetzen und aus einer Fülle von Aufzeichnungen und Materialien, Begegnungen und Gesprächen mit nepalesischen Freunden, amerikanischen Akademikern, Geldgebern, Politikern, Sicherheitskräften und Rebellen gleichermaßen ein zusammenhängendes Buch zu machen. Natürlich konnte diese sehr persönliche Herangehensweise an die Aufgabe nur zu einer sehr persönlichen Darstellung führen – d.h. der Leser begleitet einen von leidenschaftlicher Neugierde motivierten Reporter zehn Jahre lang durch Nepal und vor allem Kathmandu, durch die Stadt, das Land und alle Bereiche der Kunst, Architektur und Geschichte.
Das hat durchaus seinen Reiz, weil man keine fertigen Ergebnisse vorgesetzt bekommt, sondern am Entstehungsprozess des Buches beteiligt wird.
Die Berichtebenen, auf die Thomas Bell den Leser mitnimmt, sind vor allem die: da ist einmal sein ganz persönliches Leben mitten unter den Patan-Newars, mit denen er viele anrührende und von tiefer nepalesisch-philosophischer Einsicht zeugende Gespräche führt, daneben sein Arbeitsleben als Journalist und Reporter und schließlich seine Recherchen und sein Eintauchen in die Geschichte des Kathmandutales.
Zeitgeschehen wird ergänzt durch zahlreiche historische und literarische Quellen sowie Berichte früherer Kathmandu-Besucher. Die Ebenen greifen ineinander, überlagern sich, werden vermengt – und ergänzen sich.
Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt es:

       4.
       Is Kathmandu a process or a system? –
       The declining community of ghosts –
       The electricity, telephone, water, and god networks –
       Gayahbajye of Pimbaha –His daughter in law, their house –
       Consecrating a new building –
       The city as a mandala –Interview with the Gubaju –
       The ideology of the mandala –
       Dhana Laksmi’s story of the Konti hangings.

Das macht das Buch abwechslungsreich und lebendig, – vor allem, weil es dem Autor gelingt, das Vergangene und die Gegenwart, eigene und fremde Wahrnehmung, historische Personen und zeitgenössische Mitbewohner unangestrengt in Einklang zu bringen und damit Geschichtsbuch mit Reportage zu verbinden.
Das erfordert allerdings auch viel Aufmerksamkeit und möglichst die Zeit, sich ohne größere Pausen durch das Buch hindurchzulesen, damit der Überblick über die Vielzahl der Quellen, Zitate und Notizen nicht auf der Strecke bleibt. Ein wenig mehr editorische Aufmerksamkeit wäre hilfreich gewesen: Ein Beispiel: die Abbildungen. Weder untertitelt noch nummeriert, in der ‚List of Photos and Illustrations‘ nur auffindbar, wenn man weiß, in welchem Kapitel man sich befindet und die Photos in dem Kapitel auch mitgezählt hat. Auch wäre es im Zeitalter der digitalen Buchherstellung gewiss kein großer Mehraufwand gewesen, von Namen und Orten ein Verzeichnis bzw. über die kursiv gedruckten Ausdrücke ein Glossar anzulegen.
Der Leser, der Kathmandu und seine Geschichte kennt, wird viel Bekanntes wiederfinden und wiedererkennen. Interessant für mich war, es aus anderem (weil britischem) Blickwinkel anders beleuchtet zu bekommen, beispielsweise was die teils mehr als fragwürdige Rolle anbelangt, die Archäologen und Historiker bei ersten Entdeckungen und Sichtungen der Kunstschätze spielten. Oder die 'Operation Mustang', die Zusammenarbeit Großbritanniens mit der Royal Nepal Army im Kampf gegen die Maoisten. Da sieht der Autor sein Land in der Verantwortung, sollte dies je von einer unabhängigen Kommission untersucht werden.
Und wer weder Land noch Geschichte kennt? – Der wird aufpassen müssen, dass sich sein Nepal-Bild nicht schon im Vorfeld verdüstert durch die doch sehr oft ausgedrückte Trauer um das verlorene Paradies und der Abneigung gegen das moderne Heute, das doch bisweilen so negativ gezeigt wird, dass man dagegenhalten möchte: War das 'verlorene Paradies' wirklich für alle so paradiesisch? Und hat nicht die arg kritisierte Entwicklungshilfe neben den Fehlentwicklungen auch positive Ergebnisse und Veränderungen erzielt?
Natürlich ist es schwer, nach den extrem friedlosen und turbulenten vergangenen Jahren in Nepal Zeichen von Fortschritt zu erkennen, und ein Blick in die Politik Nepals kann durchaus entmutigend sein. Doch hin und wieder ein wenig Anerkennung von Erreichtem hätte sich mitunter durchaus zeigen lassen können. Der Autor hat es doch schließlich auch zehn Jahre dort ausgehalten und lebt meines Wissens nach immer noch dort.

Fazit: Nicht unbedingt ein "Muss" – aber doch in vielem eine Bereicherung!

                                                               Johanna Wernicke-Rothmayer

Thomas Bell: "Kathmandu"
Vintage Books/Random House India 2014
463 Seiten – 990 NRs
ISBN 978-81-8400-578-3


Lebensrad und Windpferd

Lebensrad und Windpferd von Hermann Warth
Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer Biographie, die mit Nepal eng verwoben ist. Hermann Warth kam 1975 als Landesbeauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) nach Nepal. Mit einer Unterbrechung blieb er fast zehn Jahre verantwortlich für die Deutschen Entwicklungshelfer. Danach war er immer wieder als Gutachter in Nepal tätig. Er entwickelte viel Sympathie für das Land und seine Menschen. Zusammen mit seiner Frau Dietlinde unternahm er lange Wanderungen durch Nepal, darunter eine monatelange Tour von Ost- nach Westnepal. Seine Wege führten ihn auf die Gipfel von Acht- und Siebentausendern.
Schon die Einleitung des Buches ist eine intelligent geschriebene Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Nepal, dem kulturellen Hintergrund und einer entwicklungspolitischen Einordnung.
Es beginnt mit einer Hommage an zwei Menschen: Dem Tibeter Ngawand Tenzing und dem Nepalesen Ang Chhopal, die seine Begleiter auf vielen Wanderungen und Gipfelbesteigungen sind. Die Beschreibungen öffnen den Blick auf das Seelenleben von Menschen, deren Kultur eng mit den Bergen des Himalayas verbunden sind. Spannende Begegnungen, eindrucksvolle Erlebnisse und Abenteuer werden erzählt. "Sollte man die spirituelle Kraft und Bedeutung einer Landschaft nicht zunächst erfahren und achten, um sie erst dann behutsam zu nutzen?" – Solche philosophischen Betrachtungen, die immer wieder eingeschoben werden, machen aus dem Buch mehr als eine Sammlung von „Reiseerlebnissen“. Viele, die Nepal aus eigener Erfahrung kennen, werden häufig darin Situation oder eigene Erlebnisse wiedererkennen. Jahreszahlen kennzeichnen die einzelnen Kapitel des Buches. Angesichts der rasanten Entwicklung in den letzten vierzig Jahren erleichtert dies vor allem im zweiten Kapitel die richtige Einordnung der Ereignisse. Am Beispiel des „Churia Forest Development Project“ wird die Auseinandersetzung über die Nutzung und den Schutz der Wälder dargestellt. Der Autor beschreibt die vielen kleinen Schritte, die zu einer Verbesserung beigetragen haben, verschweigt aber auch nicht die Rückschläge.
Mit dem Straßenbau rund um das Annapurnaƒmassiv setzt sich der Autor kritisch auseinander:"Es ist vorherzusehen, dass die Mehrheit der Thakali, Panchgaunle und Baragaunle im Gandakital und die Manangba auf der Marsyangdiseite wieder einmal schwierigen Zeiten entgegengehen wird. Man muss keine hellseherische Begabung haben, um vorauszusagen, dass die Straße ihnen mehr Schaden als Nutzen bringen wird."
Der Verhinderung des Baus des Arun-Staudamms wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier zeigte sich deutlich, wie divergierende Interessen der lokalen Bevölkerung, der Regierung in Kathmandu und der internationalen Geberorganisationen die Entwicklung des Landes beeinflussen.
Der Autor schöpft aus seinem reichen Erlebnisschatz, und über das Erzählen von persönlichem Erlebtem werden Entwicklungen und Zusammenhänge erkennbar. Es macht Spaß, dies zu lesen und auch Leser, die sich seit vielen Jahren mit Nepal beschäftigen, werden Neues entdecken.
Eine politische Abhandlung ist das letzte Kapitel. Der Bürgerkrieg in Nepal von 1996 bis 2006 wird ausführlich beschrieben. Es beginnt mit einer Analogie über das Gesundheitssystem in Nepal: Die Unmöglichkeit, Hilfe wegen der Ausgangsspeere herbeizuholen, die unhygienischen Zustände und die mangelnde Versorgung der Kranken, vor allem derjenigen, die sich nichts Besseres leisten können. "Nepal – ein Krankenhaus?". Mit dieser Frage leitet der Autor das letzte Kapitel ein. Entstehung und Auswirkungen der maoistischen Bewegung werden ausführlich dargestellt. Die historisch gewachsenen Bedingungen verhindern oft eine politische Einigung: Die Kastenordnung, der politische Zentralismus, die ungerechte Landverteilung und die ethnischen Unterschiede werden an vielen Beispielen beschrieben.
Hermann Warth wäre nicht für viele Jahre der unermüdliche Fürsprecher und Besucher von Nepal geblieben, würde er nicht Hoffnung in die Menschen und damit in die Entwicklung des Landes setzen. Er gibt Ausblicke auf die positiven Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Er verweist auf Vielfalt und Toleranz der Gesellschaft, die Offenheit, den Mut und die Flexibilität der Menschen.
Dieses Buch ist eine große Bereicherung für alle Leser – sowohl für diejenigen, die Nepal kennen und es mit Sympathie erleben als auch jene, die sich weniger mit dem Land auskennen und mehr erfahren möchten.

Hermann Warth: "Lebensrad und Windpferd. Wege in Nepal"
Draupadi-Verlag Heidelberg, ISBN 978-3-937603-86-5

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Aktivitäten unserer Mitglieder

Seit 2006 bietet Kamal Niraula nepalesische Spezialitäten im Restaurant Om an.

Krisha Sthapit lehrt neben ihrem Studium an der TU Berlin Nepalesisch an der Sprachenschule Sprachenatelier.

Margot Jaffé aus Somborn betreibt am Fuße des Himalaya in Pokhara ein Hotel.

Rajendra Sthapit ist beeidigter Übersetzer für Nepalesisch und Referent für Landeskunde, Sprache und Übersetzung.

Carola Neitzel spielt auf verschiedenen Theaterbühnen in Berlin und gibt Schauspielunterricht.

Alle weiteren Informationen zu den Aktivitäten unserer Mitglieder finden Sie hier.

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Kontakt:

Nepali-Deutsche Gesellschaft
Eosanderstraße 13
10587 Berlin

Berliner Sparkasse
IBAN: DE94 1005 0000 0730 0305 47
BIC: BELADEBEXXX

Vereinsvorstand:

Vorsitzender : Torsten Frank
Stellvertreter: Birat Niraula
Geschäftsführer: Rajendra Sthapit
Schatzmeisterin: Andrea-Regina Lang

Newsletter November 2015


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Content:


Message from the Editors

Message from the Editors

Sorry this newsletter do not have an english version. The next one will have again.



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Activities of our Members

Since 2006, Kamal Niraula is offering Nepalese specialties at the restaurant Om.

Anlongside her studies at the TU Berlin, Krisha Sthapit teaches Nepalese at the language school Sprachenatelier.

Margot Jaffé from Somborn runs a hotel at the foot of the Himalayas in Pokhara.

Rajendra Sthapit is a certified translator for Nepalese and a consultant for geographical studies, language and translation.

Carola Neitzel performs on several different theatre stages in Berlin and teaches acting classes.

Any further information regarding our members' activities you'll find here.

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Nepal-German Association
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10587 Berlin

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IBAN: DE94 1005 0000 0730 0305 47
BIC: BELADEBEXXX

Executive

Chairman : Torsten Frank
Vicechairman: Birat Niraula
Generalmanager: Rajendra Sthapit
Treasurer: Andrea-Regina Lang

© 2006-2016 NEDEG e.V. letzte Aktualisierung: Dezember 2016.