Newsletter Oktober 2011


English Version

Annapurnahimal

Die Themen:

Newsletterredaktion
Schulen in Nepal: das Dailekh-Projekt der Rato Bangala Foundation
Begegnungen: Deutsch als Fremdsprache
Traditionelle nepalesische Musik soll als Weltkulturerbe anerkannt werden.

Kerzen im Tempel

Newsletterredaktion

In unserem Oktober Newsletter berichten wir über Deutschlerner in Nepal und über eine private Schule in Nepal, die sich für die Verbesserung der staatlichen Schule in Nepal stark macht.
Lesen Sie den zweiten Teil des Interviews mit Prof. Gert-Matthias Wegner. Er spricht über die Möglichkeit der Erhaltung der tradtionellen Musik als Weltkulturerbe.

Veranstaltungshinweise:

Bhutan - Im Land des Donnerdrachens

Shangri-La, das verborgene Paradies oder doch nur ein weitgehend unbekanntes kleines Land im Himalaya? Anne und Klaus Hessenauer berichten mit Bildern und Reiseeindrücken aus Druk Yul, dem Land des Donnerdrachens, wie die Bhutanesen ihre Heimat nennen.
Bildvortrag von Klaus Hessenauer am 9.11.2011 um 19 Uhr in 66424 Homburg/Saar Kardinal Wendel Str. 12 im Johanneum, Mensa 1

Schüler engagieren sich für Kinder in Nepal
Schüler aus Freiberg helfen seit 6 Jahren in Nepal - ein einzigartiges Projekt. Dies fand auch die Jury des Deutschen Engagementpreises und nominierte die Schülerfirma Namaste Nepal S-GmbH vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Freiberg für den Publikumspreis. Dieser wird über ein Online-Voting vergeben - 20 Projekte stehen zur Wahl.
Aktuell liegen die Schüler auf Platz 2 ... hinter abgeordnetenwatch.
Näheres unter www.deutscherengagementpreis.de.
Abstimmen kann man bis zum 1. November 2011.

Der Nedeg-Newsletter berichtet regelmäßig über kulturelle Themen und über unsere Projektpartner in Nepal und weist auf Termine hin.
Wer den Newsletter noch nicht direkt zugesendet bekommt, kann sich hier anmelden.
Wichtige Hinweise auf Termine, Veranstaltungen oder neue Publikationen senden Sie bitte an nedeg_redaktion@yahoo.com.

Newsletter Redaktion: Torsten Frank, Andrea-Regina Lang, Don Baerg, Daniela Lang

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Ranibang-Grundschule in Bangkim (Bijay Kushbaha oben rechts).

Schulen in Nepal
Das Dailekh-Projekt der Rato Bangala Foundation

Bijay Kushbaha arbeitet gerne als Lehrer, und er erzählt stolz, dass in seinem Ort Bangkim nur 5 bis 7% der Kinder unregelmäßig oder gar nicht zur Schule gehen. Das ist bemerkenswert, denn nach Angaben des Auswärtigen Amtes liegt gerade in dem armen Terai die Einschulungsrate der Primärstufe bei 30%. Zwar haben die Maoisten die allgemeine Schulpflicht eingeführt, aber der Schulbesuch wird nicht kontrolliert – weder der von Schülern, noch der von Lehrern.

Immer noch sind ca. 50% der über 15-jährigen Kinder Analphabeten. Die Lehrer sind unzureichend ausgebildet und oft unmotiviert. Früher reichte der High-School-Abschluss nach zehn Schuljahren um unterrichten zu dürfen, heute sind dafür zwölf Jahre nötig und ein anschließendes zehnmonatiges Lehrertraining. Die Schulgebäude sind in schlechtem Zustand, je abgelegener, umso schlimmer. Oft gibt es kein Trinkwasser, keine Toiletten, keine Bücher, kein Schutz vor der Kälte im Winter.

Lehrertraining führt dazu, dass neue Unterrichtmethoden eingeführt werden.

Wer es sich leisten kann, gibt sein Kind auf eine Privatschule, deren Zahl beständig steigt. Um die Hauptstadt Kathmandu herum besuchen bereits mindestens 60% der Grundschüler eine Privatschule, in ländlichen Gebieten etwa 20%. Dies führt zu einer Verstärkung der sozialen Gegensätze, in kleinen Dörfern zur Spaltung der Bevölkerung. Die Lehrer an Privatschulen sind motivierter, der Englischunterricht ist gut, an staatlichen Grundschulen dagegen völlig unzureichend.

Um diesem Trend entgegenzuwirken und Chancengleichheit für alle anzustreben, gibt es überall im Land die verschiedensten kleinteiligen, separat voneinander durchgeführten Projekte, in der Regel finanziert aus Spenden aus dem Ausland. Das Spektrum reicht von der Unterstützung einzelner Schulen, oft entlang der touristischen Pfade, über die Arbeit von NGOs auf lokaler Ebene, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, oder NGOs, die sich auf Bildung spezialisiert haben und mit ihren Programmen in verschiedene Gegenden Nepals gehen.

Unterrichtsmaterialien werden selbst hergestellt.

Ein Projekt sei hier hervorgehoben, da es sich durch seine Größe und den organisatorischen Ansatz von den anderen unterscheidet: das Dailekh-Projekt der Rato Bangala Foundation. Die Rato-Bangala-Schule ist eine sehr gute, begehrte und teure Privatschule in Patan, dem Nachbarort von Kathmandu. 18% des Schulgeldes wird über diese Stiftung in Projekte zur Verbesserung der staatlichen Grundschulen in benachteiligten Gegenden Nepals gesteckt. Dailekh ist ein Distrikt im Westen des Landes. Alle Grundschulen – über 500 Schulen – sind in das fünfjährige Projekt miteinbezogen.

Musik und Tanz wird unterrichtet.

"Die Eltern wissen gar nicht, dass sie mit etwas Kreativität und Engagement die staatlichen Schulen genauso gut gestalten können wie eine Privatschule", sagt Min Shahin, der Leiter des Dailekh-Projektes. Daher liegt ein inhaltlicher Schwerpunkt – neben intensivem Lehrertraining – in der Arbeit mit den Eltern.

Das Ministerium für Erziehung ist Projektpartner, allerdings gewährt es weder finanzielle noch personelle Unterstützung. Über spezielle Schulungen werden jedoch die Mitarbeiter vom Ministerium und der Schulbehörde in das Projekt einbezogen. So hofft Min Shahin, einen nachhaltigen Einfluss auf das Bildungssystem im ganzen Land zu erzielen.
(Bericht von Barbara Kosiol)

Min Shahin plant im März 2012 nach Berlin zu kommen. Er möchte Vorträge halten und so viel wie möglich an Eindrücken und Erfahrungen mitnehmen, die ihn in seiner Arbeit weiterbringen können. Wer Interesse hat, kann sich gerne mit Barbara Kosiol in Verbindung setzen.

Mehr Information unter:
www.ratobangala.edu.np
www.rbf.org.np

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Auf dem Markt

Begegnungen: Deutsch als Fremdsprache
Ein Projekt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Studierende der PH Heidelberg und Jun.-Prof. Elke Montanari suchten Kooperationspartner für das Projekt "Authentizität im Unterricht Deutsch als Fremdsprache". Nedeg konnte hierfür die passenden Partner in Nepal vermitteln.
Im Hörsaal der PH herrscht in der Mittagszeit Betriebsamkeit. Die Studenten drängen sich vor aufgeklappten Laptops. Über Skype sollen heute nepalesische Studenten am Campus of International Languages der Tribhuvan-Universität mit ihren deutschen Counterpartnern über einen zuvor von den Heidelbergern in YouTube eingestellten Film sprechen. In dem Film dokumentieren die Studenten ihren studentischen Alltag. Als die Skype-Verbindungen stehen, entwickeln sich rege Gespräche auf Deutsch mit den nepalesischen Studierenden. „Wir waren alle sehr überrascht, dass es in den 45 Minuten Redezeit keine einzige lange Sprechpause gab. Die Studierenden aus verschiedenen Kontinenten sind sofort in ein angeregtes Gespräch eingetreten“, berichtete die Juniorprofessorin für Mehrsprachigkeit. In dem Pilotprojekt soll erforscht werden, wie es gelingen kann, dass Deutschlerner im Ausland schon in frühen Lernstadien die Möglichkeit erhalten, mit Muttersprachlern zu kommunizieren.

Im weiteren Projektverlauf wurden zusätzlich drei Lerner des Goethe-Zentrums in Kathmandu und ein Lerner der Universität Marrakesch, Marokko, einbezogen. Das Thema lautete "Essgewohnheiten". Die von den deutschen Studenten zuvor ins Netz gestellte Fotostory zur "deutschen Vesper" motivierte die Nepalesen ihrerseits zu einer Sequenz über Essen in Nepal, sodass ein Austausch über drei Kontinente erfolgte.

Nepali Set
Bauer auf dem Weg zum Markt
Gewürze Dr. Treu, Leiter für Deutsch an der Universität Kathmandu, streicht insbesondere die zukünftige Bedeutung von YouTube und Skype bei der Vermittlung von Sprachkenntnissen heraus.
Mittlerweile erfolgt ein stetiger Austausch über Facebook. Für die Fortführung des Projektes sind bei der PH Heidelberg und beim DAAD mittlerweile weitere Mittel beantragt worden.

Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dr. Elke Montanari
DaF/Mehrsprachigkeit
Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Postfach 104240
69032 Heidelberg

Dr. Manfred Treu
Leiter Department of German Language
Campus of International Languages
Tribhuwan University
Exhibition Road, Kathmandu, Nepal

Goethe Zentrum Kathmandu
PO Box 1103 Panchayan Marg 181, Thapathali
Kathmandu, Nepal
E-Mail: gzk@wlink.com.np


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Prof. Gert Matthias Wegner

Traditionelle nepalesische Musik soll als Weltkulturerbe anerkannt werden

Im zweiten Teil des Interviews spricht der Gründer des Instituts für Musik an der Kathmandu-Universität, Prof. Dr. Gert-Matthias Wegner, mit der Newsletterredaktion über die aktuelle Situation der traditionellen Musik.

Welche Bedeutung kann das Institut für Musik an der Kathmandu University für den Fortbestand und die Dokumentation der nepalesischen Musik haben?

Die Dokumentation der Musik von Bhaktapur war meine Aufgabe von 1982 bis 1993 während der Arbeit im deutschen Nepal Research Programme und dem darauf folgenden, von der englischen Leverhulme Foundation geförderten Forschungsprojekt. Meine Forschungsgebiete waren die Trommeltraditionen und das gesamte Musikleben von Bhaktapur, newarische Musiktermini und historische Bezüge zwischen indischen und nepalischen Musiktraditionen. Anfangs erlernte ich selbst das Spiel aller Trommeln, wodurch ich dann später zum Lehrer wurde.

Sie sind also 1982 das erste Mal nach Nepal gekommen?

Nein, 1971 war ich schon mal eine Woche da, weil ich ein Visum für Indien verlängern wollte, wo ich damals studierte.

Ist damals der Wunsch entstanden, sich mit der nepalischen Musik auseinanderzusetzen?

Nein. Ich studierte damals in Bombay die indische Konzerttrommel Tabla bei dem indischen Virtuosen Pandit Nikhil Ghosh und zog das auch 24 Jahre lang durch. Bis zum Tod meines Lehrers 1995 fuhr ich jedes Jahr für ein paar Monate nach Bombay, um weiter zu lernen. Als ich nach meiner Promotion 1981 die Möglichkeit hatte, in den Forschungsschwerpunkt „Nepal“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft einzusteigen, dachte ich, das wäre eine wunderbare Gelegenheit, die indische Musikpraxis mit meiner Forschungsarbeit zu verknüpfen, weil es in Nepal ja nicht nur die Musiken der verschiedenen ethnischen Gruppen gibt, sondern auch nordindische Kunstmusik. Diese Tradition wurde schon vor über 300 Jahren von muslimischen Musikern an den Höfen der Malla-Könige ausgeübt, später auch in den Palästen der Shahas und Ranas. Die indischen Musiker bildeten dabei auch nepalische Schüler aus, deren Tradition bis heute auf einem provinziellen Niveau praktiziert wird.

Nepalesische Musiker

Waren die Musiker damals dazu bereit, einem Ausländer die Musik zu lehren?

Mein damaliger Kollege, der Architekt und Forscher Dr. Niels Gutschow, vermittelte mir einen Assistenten aus der newarischen Bauernkaste und eine Wohnung in Bhaktapur. Dr. Heimo Rau, der damalige Leiter des Goethe-Institutes, der mich aus Bombay kannte, lud mich im Dezember 1982 ein, mit dem Jaltarang-Spieler Krishna Narayan Shrestha aus Patan Konzerte zu spielen. Sein Nachfolger organisierte dann ein auf dem Taumadhi Square, Bhaktapur, ein Open-Air-Konzert mit befreundeten Jazzmusikern aus Kalifornien. Die Terrasse neben den Elefanten des Nyatapola-Tempels war unsere Bühne. Durch diesen Auftritt war ich sofort bekannt als Musiker in der Stadt. Danach besuchte ich mit meinen Assistenten verschiedene Musikgruppen zu Aufnahmeterminen und suchte mir dabei die besten Lehrer aus. Der Unterricht fand in meiner Wohnung statt. Die Lehrer wurden für den Unterricht bezahlt. Ich glaube, sie haben mich gerne unterrichtet, weil ich schnell Fortschritte machte, auch sprachlich.

Damals sind auch drei Dokumentarfilme entstanden. Gibt es diese alten Traditionen noch?

Einige der Traditionen gibt es immer noch, werden aber nicht mehr so häufig ausgeübt wie früher. Musiklehren finden kaum noch statt.

Institut für Musik

Sind die Lehrer am Institut für Musik auch jene, die früher an Tempeln unterrichtet haben?

Zum Teil ja, aber auch Studiomusiker aus Kathmandu, die zum Teil sehr professionell auftreten. Die meisten Lehrer kommen aus Musikerkasten, sind aber gewohnt in diesem modernen Rahmen zu arbeiten.

Welche Bedeutung hat die Pflege von traditioneller Musik bei Ihrer Arbeit?

Dokumentation ist der erste Schritt zur Erhaltung von Traditionen. Natürlich lassen sich Musiktraditionen nicht allein durch Bücher erhalten. Sie müssen ausgeübt werden. Musik will klingen, sonst stirbt sie. Im Mai 2010 hat die UNESCO mit der nepalesischen Regierung einen Vertrag unterschrieben zur Erhaltung der sogenannten "intangible heritage", also der mündlich überlieferten Traditionen Nepals wie Musik und Tanz. Ein Minister hat das unterschrieben, offenbar ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie das jetzt umgesetzt wird. Deshalb kam der jetzige Direktor der UNESCO im vorigen Sommer zu mir und fragte, ob ich ihm helfen könnte. Wir haben ausgebildete Musikethnologen, und dieses Projekt wäre eine gute Perspektive für manche unserer Studenten. Wir identifizierten damals ein EU-Förderungsprogramm, das leider auslief, bevor UNESCO den Antrag stellen konnte. Wir warten jetzt auf ein Nachfolgeprojekt. UNESCO wollte sich inzwischen anderweitig um Sponsoren bemühen. Wir brauchen Gelder für Aufnahmeexpeditionen, auch um lokale Musiker zu bezahlen. Das erste Ziel ist eine Datenbasis, ein Atlas von allen Volksmusikern in Nepal herzustellen, damit wir wissen, wer überhaupt da ist und welche Probleme die Musiker haben. Die vollständige Dokumentation des Repertoires müsste später folgen. Vielleicht können wir dann den Musikern im Schulunterricht Arbeit verschaffen.
Das ist ein anderes Projekt von uns. Wir versuchen, Lehrpläne für das Fach Musik in die allgemein bildenden Schulen Nepals zu entwickeln. Das ist insbesondere das Projekt meines jetzigen Doktoranden, der mit seiner Dissertation vorarbeitet. Aber später braucht man dann plötzlich viele Musiklehrer. Wir bilden natürlich Lehrer aus, aber es wäre sinnvoll, die Musiker vor Ort am Schulmusikunterricht zu beteiligen. Oft stammen sie aus niedrigen Kasten. Es wäre gut, wenn die Schüler lernten, diese Leute zu respektieren. Denn das genaue Gegenteil ist ja der Fall.

Wie viel von der traditionellen Musik ist schon verloren gegangen?

Das werden wir sehen. In Bhaktapur betrifft es tatsächlich die gesamte Musikkultur, die verschwindet. Ich habe ja alle 10 Jahre detaillierte Erhebungen von allen Musiker in Bhaktapur gemacht und es ist ganz klar, dass nur noch wenige Musikgruppen regelmäßig auftreten, obwohl sie meist als Institution noch existieren. Das hat verschiedene Gründe. Die finanzielle Basis der newarischen Musik und Kultur wurde 1963 im Rahmen der sogenannten Landreform "Guthisamsthan Act", vom Staat ersatzlos konfisziert. Dies war das gesamte Stiftungsland, dessen Ertrag bis dahin die Erhaltung der Kultur gesichert hatte.

Ich kann mich erinnern, dass 1990 abends in den Tempel in Bhaktapur die Musikgruppen spielten.

Ja, aber wenn man die gefragt hat, wie sie es finanzieren, haben sie alle gestöhnt and geächzt. Wir hatten doch das Land – sie konnten es noch identifizieren. Jetzt ist es weg und wir wissen nicht mehr, wie wir die Instrumente reparieren sollen, wie wir die Jugi bezahlen sollen. Jugi sind niedrigkastige Spieler von Kegeloboen, die für ihre Musikerdienste mit Reis oder Geld entlohnt wurden. Früher gehörte es eben einfach zum Leben in Bhaktapur dazu, dass man in einer Gruppe auftrat, zusammen Musik machte. Heute wird Status anders dokumentiert. Man fährt Motorrad und bemüht sich, die Straße zu dominieren. Man schaut im Fernsehen Hindifilme und Shampoo-Werbung. Kaum noch jemand macht selbst Musik. Die jungen Leute machen meistens Popmusik; sie wollen nicht das machen, was ihre Großväter gemacht haben. Die Großväter sitzen zum Teil noch am Tempel und singen, aber wissen, dass sie die letzten sind. Und wenn man sie fragt, wie fühlt ihr euch dabei, dann sagen sie, „früher hat uns das großen Spaß gemacht. Aber jetzt nicht mehr, weil wir wissen: Wir sind die letzten. Wir machen es, weil uns etwas unglaublich Kostbares übergeben wurde. Das sind unsere Traditionen, die sich zum Teil über 600 Jahre bis heute erhalten haben und jetzt verschwinden.

Trommler in Nepal

Ist es nicht allerhöchste Zeit, das alles zu dokumentieren?

Das habe ich soweit auch gemacht wie es mir möglich war, aber man kann Musik nicht in Büchern erhalten. Man kann dokumentieren, es beschreiben, Aufnahmen machen. Musik ist aber tot, wenn sie nicht praktiziert wird. Und wenn Instrumente im Museum an der Wand hängen, ist das etwas anderes als in der Hand eines Spielers.

Wirkt sich denn auch die aktuelle Situation auf die Musiktradition aus?

Der zehnjährige Bürgerkrieg hat die Gesellschaft brutalisiert, die wirtschaftliche Lage in eine Katastrophe verwandelt und die Lebensbedingungen erschwert. Dazu kam die Umweltzerstörung, der Verkehr, die Zersiedlung des Kathmandutals. Die neuen Vororte Bhaktapurs haben mit der rituellen Ordnung mit der historischen Stadt mit den alten Prozessionsrouten nichts zu tun. Und die Leute, die dort wohnen sind keine Newar, sondern Flüchtlinge im eigenen Land, die sich dort im Rahmen des Bürgerkrieges angesiedelt habe. Andere Leute aus Kathmandu wollen jetzt dort leben, weil es gut angebunden ist. In jeder kleinen Gasse rasen Motorräder herum und machen Prozessionen unmöglich. Oft sind es dann drei, vier junge Leute, die nicht mal einen Führerschein haben und betrunken sind, die hupen sich da durch, und wenn sie jemanden anfahren, lachen sie und rasen weiter. Es ist sehr gefährlich für Kinder und ältere Leute, sich in den Gassen zu bewegen.

Welche Wünsche haben Sie, damit die traditionelle Musik in der Zukunft erhalten bleibt?

Die Innenstadt von Bhaktapur sollte sofort gesperrt werden, tagsüber kein Straßenverkehr, kein Motorrad oder nur bis morgens um 8 Uhr. Das wäre der erste Wunsch und der zweite wäre: Haltet eure Luft und eure Flüsse sauber. Das Leben in Bhaktapur ist unerträglich, mit weit über hundert Ziegelfabriken rund um die Stadt und den vom Abfall stinkenden Flussläufen. Grauenhaft! Wie soll man sich da noch an Musik erfreuen?


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Kontakt:

Nepali-Deutsche Gesellschaft
Eosanderstraße 13
10587 Berlin

Berliner Sparkasse
Kontonummer: 730 030 547
Bankleitzahl: 100 500 00

Vereinsvorstand:

Vorsitzender : Torsten Frank
Stellvertreter: Birat Niraula
Geschäftsführer: Rajendra Sthapit
Schatzmeister: Uta Roever

Newsletter October 2011


Deutsche Version

Annapurnahimal

Content:


Message from the Editors
Schools in Nepal - the Dailekh Project sponsored by the Rato Bangala Foundation
Coming together: German as foreign language
Traditional Nepalese music should be recognized as World Cultural Heritage

Candles at the temple

Message from the Editors

In our October newsletter we report about people learning German in Nepal and about a private school in Nepal advocating the advancement of public schools in Nepal.
Read the second part of the interview with Prof. Gert-Matthias Wegner, talking about possibilities for preserving the traditional music as world cultural heritage.

The Nedeg newsletter will regularly report on cultural events and our project partners in Nepal, including dates and venues. If you are not receiving the newsletter directly, you may register here now. Relevant information regarding dates, events or new publications may be forwarded to: nedeg_redaktion@yahoo.com.

Editorial staff: Torsten Frank, Andrea-Regina Lang, Don Baerg, Daniela Lang


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Ranibang Elementary school in Bangkim (Bijay Kushbaha upper right).

Schools in Nepal - the Dailekh Project sponsored by the Rato Bangala Foundation

Bijay Kushbaha enjoys his work as a teacher. He proudly reports that only 5-7% of the children attend school irregularly or not at all. This is truly remarkable, since according to statistics of the Foreign Ministry the enrollment stands at 30% for the poorer regions of the Terai. The Maoists have introduced compulsory school attendance, but records are not kept - neither of the pupils', nor of the teachers' presence.
Approximately 50% of over 15 year olds are still illiterate. Teachers are insufficiently trained and often unmotivated. Formerly, a high school diploma after ten school years was sufficient to qualify for teaching, nowadays, twelve years and a subsequent teacher training are required. Schoolhouses are in bad shape, the more remote, the worse. Often there is no drinking water, no toilets, no books, no shelter against the cold in winter.

Teacher training enables introduction of new teaching methods.

Whoever can afford it will send their children to a private school, whose numbers are continually increasing. In the vicinity of the capital Kathmandu 60% of the primary school pupils attend private schools, in the rural areas about 20%. This leads to an aggravation of social conflict and in the villages to a splitting apart of the population. Teachers in private schools are more motivated; English instruction is good, but in state schools totally inadequate.
In order to counteract this trend and to attempt to achieve equal opportunity all across the country a host of various small-scale and individual projects have arisen, as a rule funded by donations from abroad. The spectrum stretches from supporting specific schools - often along tourist routes - via working with NGOs at the local level in order to improve living conditions of the population, to NGOs specialized in certain training programmes in the various regions of Nepal.

Teaching materials are being self-manufactured.

One project stands out due to its size and the particular type of organizational approach that differs from others: the Dailekh Project sponsored by the Rato Bangala Foundation. The Rato Bangala school is a good, desired and costly private school in Patan, a suburb of Kathmandu. 18 % of the school money collected is designated via the Foundation for projects to improve government public elementary schools in the neighbouring regions of the country. All primary schools - over 500 - are incorporated into the 5-year project.

Music and dance are being taught.

"The parents don't even know that with a bit of creativity and involvement they can structure the state schools in the same manner as the private schools", says Min Shakin, the director of the Dailekh project. Therein lies the key priority area - aside from intensive teacher training - in the work with the parents.
The Education ministry is a project partner, even though it does not provide funding or personnel. By means of special courses the staff of the Ministry and the school board become a part of the project. Thus, Min Shakin hopes that a sustainable influence will be achieved within the education system across the entire country. This would be desirable.
(Report by Barbara Kosiol)

Min Shakin is planning a tour to Berlin in March 2012. He would like to present the work and return with impressions and experiences gained that would assist in improving the situation in Dailekh. Those interested please contact me: barbara@kosiol-berlin.de.

More information at:
www.ratobangala.edu.np
www.rbf.org.np

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At the market

Coming together: German as foreign language

Students at the Heidelberg University of Education and Junior Professor Elke Montanari are searching for a project partner for authentic and representative instruction in German as a Foreign Language. NEDEG could propose an appropriate partner
A beehive of activity dominates the scene in a classroom at the Heidelberg University of Education. Students are anxiously peering at the screens of their laptops. Today, via Skype, Nepalese students from the Campus of International Languages at the Tribhuvan University in Kathmandu will be speaking with their German counterparts about a film the latter have installed in YouTube. The film portrays everyday campus life in Heidelberg. Once the connection has been set up an intense dialogue begins in German with the Nepalese students. "We were all very surprised that during the 45-minute conversations no long pauses occurred. Students from different continents immediately entered into an lively exchange," reported the junior professor for Multilingualism. The pilot project aims at testing how to establish communication between learners of German abroad with native speakers in the early stages of language learning.

As the project progressed three students from the Goethe Centre in Kathmandu and one student from the University of Marrakesh in Morocco became involved. The topic: eating habits. The photo story about the German "vesper" (late afternoon snack or evening meal) installed in the Internet by the students in Germany motivated the Nepalese to produce a series on eating styles in Nepal, so that an exchange arose on three continents.

Nepali set
Peasant on his way to the market
Spicery Dr. Treu, director of German language studies at the University of Kathmandu, emphasises especially the future significance of YouTube and Skype in the teaching of language skills.

In the meantime, a continuous exchange has been taking place via Facebook. For the continuation of the project, funding has been applied for from the Heidelberg University of Education and the German Academic Exchange Programme (DAAD).

Further information and contact:
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Dr. Elke Montanari
DaF/Mehrsprachigkeit
Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Postfach 104240
69032 Heidelberg

Dr. Manfred Treu
Leiter Department of German Language
Campus of International Languages
Tribhuwan University
Exhibition Road, Kathmandu, Nepal

Goethe Zentrum Kathmandu
PO Box 1103 Panchayan Marg 181, Thapathali
Kathmandu, Nepal
E-Mail: gzk@wlink.com.np

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Prof. Gert Matthias Wegner

Traditional Nepalese music should be recognized as World Cultural Heritage

In the second part of the interview the founder of the Institute for Music at the Kathmandu University speaks with the Newsletter editors on the current situation of traditional music

What role can the Institute of Music in the Kathmandu University play for the continuation and documentation of Nepalese music?

The documentation of music in Bhaktapur was my task from 1982 to 1993 within the context of my work in the Nepal Research Programme of Germany and the subsequent research projects sponsored by the Leverhulme Foundation. My particular area of research focused on drum traditions and the entire music culture of Bhaktapur, Newar music terminologies and historical connections between Indian and Nepalese music traditions. Early on I learned to play all types of drums, and thereby I became a teacher of this art.

Did you originally come to Nepal in 1982?

No, I had already been there for one week in 1971 in order to extend my visa for India where I was studying at the time.

Did the desire to become involved with Nepalese music traditions arise at this time?

No. Then I was a student in Bombay. I was being instructed on the Indian Tabla concert drum by the Indian virtuoso Pandit Nikhil Ghosh and remained with him for 24 years. Until the death of my teacher in 1995 I would spend months every year in Bombay in order to continue learning. When within the framework of my doctoral work in 1981 I was granted the chance to begin with the Nepal research branch of the Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) I thought that it would be a wonderful opportunity to tie in the Indian music praxis with my research work, since in Nepal not only the music of the various ethnic groups existed but also the North Indian musical arts. This tradition had been practised for over 300 years by Muslim musicians at the courts of the Malla kings and later in the palaces of the Shahas and the Ranas. Indian musicians also instructed Nepalese students with their traditions which today are employed at the provincial level.

Nepalese musicians

Were the musicians then prepared to allow foreign personnel to teach music?

My colleague at the time, the architect and researcher Dr. Niels Gutschow, was able to negotiate for an assistant from the Newar farmer caste and an apartment in Bhaktapur. Dr. Heim Rau, the Director of the Goethe Institute, whom I was acquainted with in Bombay, invited me in December 1982 to perform with the Jaltarang musician Krishna Narayan Shestha from Patan at some concerts. His successor organised an open air concert on the Taumadhi Square in Bhaktapur with his friends - jazz musicians from California. The terrace beside the elephants at the Nyatapola temple was our first stage. This performance promoted my name as musician in the city. Subsequently, I visited various music groups with my assistant at recording sessions and thereby was able to become acquainted with the best teachers. The teachers received payment for the lessons. I believe they were happy to instruct me because I was able to learn quickly, also the language.

Three documentary films were also produced at the time. Do these ancient traditions still exist today?

Some traditions remain, but are not as frequently practised as before. Teaching of music is seldom undertaken.

Institute for Music

Are the teachers at the Institute for Music still the same one who used to teach at the temple?

In part, but also studio musicians from Kathmandu, who occasionally perform very professionally. Most teachers come from the music castes, but they have become accustomed to working within a modern framework.

What significance does the cultivation of traditional music have in your work?

Documentation is the first step in maintaining traditions. Naturally music traditions cannot only be kept by means of books. Music needs to be sounded out, otherwise it dies. In May 2010, UNESCO signed a contract with the Nepalese government to sustain the so-called "intangible heritage" on the orally handed down traditions of Nepal, music, dance etc. A government minister signed the document, apparently without any idea how this would be put into practice. Thus, the current director of UNESCO came to me last summer and requested my assistance. We have trained music ethnologists and this project would provide excellent perspectives for some of our students. We then identified an EU sponsorship that unfortunately ran out before UNESCO could prepare a contract. We are now waiting for the follow-up project. In the meantime, UNESCO has been looking for other sponsors. We need funding for recording expeditions and in order to pay musicians. The first goal is building up a database to prepare an atlas of all the folk musicians in Nepal, so that we know who is available and what problems musicians have. A comprehensive documentation of the repertoire should be made up later. Perhaps we can then create jobs for musicians as school teachers.
That is another one of our projects. We are attempting to set up a curriculum for the subject of music in the public schools in Nepal. This is especially the project of my present doctoral student who is preparing a dissertation on that theme. Later we will suddenly require many music teachers; but it would be meaningful to involve musicians in school music instruction. Many originate from lower castes. It would be beneficial if the pupils would learn to respect these people. The exact opposite is usually the case.

How much of the traditional music has already become lost?

This is difficult to assess. In Bhaktapur this actually applies for the overall music culture that is disappearing. I have made a detailed survey every ten years of all musicians in Bhaktapur and it is evident that only a few music groups are performing regularly, although many still exist as institutions. There are several reasons for this. The financial base of the Newar music and culture was completely confiscated with the so-called "Guthisamsthan Act" land reform by the government in 1963. This applied for the total foundation landscape whose crop yield had ensured the maintenance of culture at that time.

I can remember that in 1990 the music groups performed in the temple at Bhaktapur every evening.

Yes, but when one asked how they financed their performances they all groaned and moaned. We had the land - they could still identify with it. Now it is gone and we don't know how we can repair the instruments, how we can pay the Jugi. Jugi are lower caste players of conical oboes who were rewarded with rice and money for their musical services. Earlier on it simply belonged to the life of Bhaktapur that one appeared in a group and made music together. Today status is documented otherwise. You drive a motorcycle and try to dominate the streets. One views Hindi films and shampoo advertisement on TV. Hardly anyone makes their own music; they don't want to do what their grandfathers did. The grandfathers still sit at the temple and sing, but they know they are the last ones. And when one asks how they feel, they say: "It used to be a great pleasure, but not now because we know we are the last ones. We do it because something unbelievably precious was handed down. Those are our traditions; they have been kept in part over 600 years and are now disappearing."

Drummer in Nepal

Is it not high time to document everything?

This I have done as much as possible, but one cannot keep music in books. One can document, describe and record it. Music is dead if it is not practiced. And when instruments hang on a wall in a museum it is certainly something other than in the hand of a performer.

Does the current situation have consequences for the musical traditions?

The 10-year civil war has brutalized society, converted the economic conditions into a catastrophe and aggravated living conditions. Environmental destruction, traffic and the overdevelopment of the Kathmandu valley is all part of it. The new suburbs of Bhaktapur do not take into consideration in any way the ritual order, the historic city and all the old processional routes. And the people who live there are no longer Newar, but rather refugees in their own country who have settled there due to the civil war. Other people from Kathmandu now want to live there because it is easy to reach. In every small alley motorcycles race around making processions impossible. Often there are three, four young people who are not even in possession of a driving licence and are intoxicated who blow their horns, and should they drive over someone, simply laugh and drive on. It is very dangerous for children and the elderly to move about in the narrow alleyways.

What measures would you propose in order to maintain traditional music in future?

Central Bhaktapur should immediately be off limits for all mobilised traffic, no motorcycles or only until 8 a.m. That would be my first suggestion. The second would be to keep rivers and the air clean. Life in Bhaktapur is unbearable with its more than one hundred brick factories around the city, and the stinky waterways filled with garbage. Gross! Awful! How can one enjoy music under these atrocious, abominable conditions?


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Nepal-German Association
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10587 Berlin

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Account number: 730 030 547
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Chairman : Torsten Frank
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Treasurer: Uta Roever

© 2006-2016 NEDEG e.V. letzte Aktualisierung: Dezember 2016.